Die AfD rettet die Demokratie? Ernsthaft?
Die Narrativ-Werkzeugkiste für alle, die wirklich wirksam kommunizieren wollen.
Die AfD will – mal wieder – die Demokratie retten. Die ostdeutschen AfD-Fraktionschefs haben sich in Schwerin getroffen und eine “Erklärung zur Wiederbelebung der Demokratie” veröffentlicht.
Und damit willkommen in 2026: Autoritäre Kräfte versuchen (weiterhin), demokratische Diskurse zu kapern - und wir dürfen dabei nicht zugucken. Denn sind wir ehrlich: Während die Autoritären strategisch Emotionen besetzen und den gesellschaftlichen Dialog vergiften, diskutieren wir Demokrat*innen oft noch darüber, wen wir wie inhaltlich stellen sollten.
Spoiler: Wir können eigene Narrative setzen und wirksam kommunizieren. Wir müssen nur damit anfangen.
Deshalb zeige ich euch heute:
Wie perfide die AfD gerade vorgeht: Sie schreibt das Narrativ “Demokratie in der Krise” für sich um, obwohl sie diese Krise selbst mit propagiert hat.
Was daran so wirksam ist: Populismusforscher Prof. Dr. Marcel Lewandowsky erklärt uns, warum gerade dieser strategische Move der AfD so gefährlich ist.
Was wir alle dagegen tun können: Ihr bekommt einen konkreten Narrativ-Werkzeugkasten für NGOs, Gewerkschaften, Verbände, Parteien - einfach alle, die demokratisch wirksamer kommunizieren wollen.
Was hat die AfD vor?
Ein Treffen der ostdeutschen AfD-Fraktionschefs im Landtag Mecklenburg-Vorpommern hat massive Kritik ausgelöst. In einer Erklärung forderten die AfD-Spitzen - darunter Björn Höcke aus Thüringen - eine “Wiederbelebung der Demokratie”.
In der Erklärung geht es um: Volk, Nation und Heimat. Die AfD-Fraktionschefs wollen Justiz, Verfassungsschutz und Medien “umkrempeln”. Es läge an der AfD, die Demokratie zu bewahren und da wiederherzustellen, wo sie beschädigt worden sei. (Quelle: NDR)
Klingt dreist? Ist - leider - auch strategisch klug, und deshalb müssen wir genau hinschauen:
Die AfD baut hier systematisch ein Narrativ auf, das alle drei Elemente bedient: Problem (”Demokratie in der Krise”), Lösung (”nur wir können sie retten”), Vision (”Volk, Nation, Heimat”).
Das Narrativ wirkt, weil es emotional aufgeladen ist und einfache Antworten bietet.
👉 Aber Moment: Was ist eigentlich ein Narrativ?
Ein Narrativ ist eine überzeugende Geschichte in drei Teilen:
Problem (was läuft schief?)
Lösung (was machen wir anders)
Haltung/Vision (wo setzen wir an? Wie sieht die Zukunft aus?)
Narrative sind wirkmächtig: Sie geben komplexen Situationen einen Deutungsrahmen - einen Frame, der bestimmt, wie wir Probleme verstehen und wem wir Lösungen zutrauen. Narrative prägen, was und wie wir denken. Sie entscheiden darüber, welche Geschichten wir uns über unsere Gesellschaft erzählen - und wer in diesen Geschichten als Held oder Bösewicht erscheint.
Die AfD hat das verstanden. Wir müssen es auch verstehen.
👉 Die AfD handelt nach diesem Muster:
1) Die Krise personifizieren
Das Thema Demokratie wird von populistischen Parteien – rechts wie links – typischerweise instrumentalisiert:
“Sie diagnostizieren eine Demokratiekrise, für die sie das politische Establishment verantwortlich machen. Die Schuldzuweisung lautet: “Die da oben” - eigennützig, korrupt und “nicht wie wir” - hätten uns, “dem Volk” die Demokratie genommen. So personifizieren sie einen vermeintlichen Niedergang, den etwa die AfD in ihrer Erklärung explizit benennt”, erklärt Populismusexperte Prof. Dr. Lewandowsky.
Das funktioniere, weil ein Großteil der Wählerinnen diese Krise “tatsächlich so wahrnimmt - wobei sich das Phänomen vor allem auf AfD- und BSW-Wähler_innen bezieht, mit Abstrichen auch auf Die Linke-Wähler_innen. Die restlichen Wähler_innen sind demokratiezufrieden.”
👉 Warum das Narrativ wirkt? Weil man mit “die da oben” der Geschichte ein klares Feindbild gibt.
2) Auf einem realen Gefühl aufbauen
Dass die AfD gerade in diesem Landtagswahlenjahr auf das Thema „Demokratie in der Krise” setzt ist rein strategisch (wenn auch nicht neu).
Denn: “Der Großteil der AfD-Wähler_innen hat tatsächlich das Gefühl, nicht mehr in einer echten Demokratie zu leben. Viele sind politikkritische oder systemkritische Demokrat_innen”, so Lewandowsky.
👉 Die AfD setzt ihr Narrativ da an, wo ein echtes Gefühl existiert. Das macht es so wirksam: Sie erfinden das Problem nicht - sie deuten es nur komplett um. Und genau deshalb reicht es nicht, nur Fakten dagegenzusetzen. Wir brauchen eigene, demokratische Narrative, die dieses Gefühl aufgreifen.
3) Sich als die “einzigen, wahren Demokraten” inszenieren
Ein zentrales Merkmal rechtspopulistischer Parteien: Sie beanspruchen für sich, den „wahren Willen des Volkes” zu kennen. Sie konstruieren ein Szenario, in dem dieser Wille von „Eliten” oder „Altparteien” unterdrückt wird. Wenn der vermeintliche Volkswille nicht umgesetzt wird, behaupten sie: „Dann leben wir gar nicht in einer Demokratie.”
Beweise? Brauchen sie nicht, sie berufen sich auf eine sog. “schweigende Mehrheit”.
Grundsätzlich gilt: Populisten setzen die Demokratie ins Zentrum ihrer Strategie, indem sie deren Probleme zu existenziellen Krisen überhöhen. Letztendlich geht es dabei immer um eine zentrale Frage der Demokratie selbst: Kann die Demokratie ihr Versprechen noch einlösen, dass das Volk über sein Schicksal entscheidet?
👉 Das gibt ihrem Narrativ Kraft: Sie stellen nicht nur Politik in Frage, sondern die Legitimität des gesamten Systems.
Wer das System als kaputt framed, positioniert sich automatisch als radikale Alternative – und spricht sowohl Unzufriedene als auch Autoritäre an.
Mehr dazu findet ihr auch in diesem Adé AfD-Newsletter:
4) Den Narrativ-Spieß umdrehen
Hier wird’s perfide: Die “Demokratie in der Krise”-Erzählung ist erst durch rechtsradikale Wahlerfolge Teil des Mainstreams geworden.
Zu behaupten, Demokratien seien gefährdet, gehört zu den spalterischen Erzählungen, die Autoritäre nutzen, um vorhandene Systeme in Frage zu stellen (Buch-Empfehlung dazu: Verbinden statt Spalten von Gilda Sahebi)
👉 Die AfD greift also ein Narrativ auf, das sie selbst mit erschaffen hat - und bedient es mit ihrem eigenen Spin: Eine “demokratische Krise” sei allein den etablierten Parteien geschuldet.
Das Kalkül der Partei sei laut Lewandowsky:
“Die AfD-Fraktionsvorsitzenden wollen mit dem Vorwurf aufräumen, die AfD sei nicht demokratisch; man dreht den Vorwurf praktisch um und sagt: Nur wir sind demokratisch und alle anderen nicht. Das wird von weiten Teilen ihrer Wählerschaft, aber auch von Teilen anderer Parteienwähler_innen geglaubt.
Meine Vermutung: Sie versuchen damit auch, noch Wähler_innen vom BSW abzugreifen (weil das BSW sehr schwach ist und keine attraktive Option darstellt). Wenn das der AfD in Sachsen-Anhalt gelingt und sie noch weitere Wähler_innen dazubekommt, dann könnte es sein, dass sie ihrem eigenen Anspruch gerecht wird: die absolute Mehrheit zu gewinnen.
Ein mögliches Ziel: Unentschlossene Wähler_innen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ansprechen - gewissermaßen mit der „weißen Weste der Demokratie”.
⚡Für alle, die sich beim Lesen fragen: Was kann ich tun, während Autoritäre den Demokratie-Begriff kapern und Narrative umdeuten?
Ich persönlich verschenke gerne Bücher über das Thema, sowohl an Erwachsene wie an Kinder. Beim Vorlesen lerne ich manchmal mehr als beim selber lesen – allein durch die Nachfragen.
Damit ihr das auch tun könnt, verlose ich heute 3 Exemplare von diesem großartigen Buch: “WAS IST WAS: Demokratie – Deine Stimme zählt”
🎉 Habt ihr Kinder, Nichten, Neffen, Patenkinder – oder kennt ihr eine Schule, eine Bibliothek, die sich darüber freuen würde? Schreibt mir, warum ihr das Buch gerne hättet und ihr kommt in den Lostopf! Danke an den Tessloff-Verlag! 🎉
5) Die eigene Opferrolle betonen
“Von Chancengleichheit kann keine Rede sein”, heißt es in der Schweriner Erklärung. Die Botschaft: Nur wenn alle anderen weg sind, kann die Demokratie gerettet werden.
Konkret: Sie versprechen “echte Demokratie”, meinen aber uneingeschränkte Volkssouveränität ohne liberale Schutzmechanismen.
Passenderweise wird in der Erklärung auch “die Politisierung der Justiz” erwähnt und sich gegen “die Instrumentalisierung des Verfassungsschutzes (...) ausgesprochen.
👉 Warum ist das so gefährlich?
6) Die AfD setzt darauf, dass niemand mitbekommt, was sie wirklich vorhaben.
„Die Autokratisierung des Staates nach der Machtübernahme durch die äußerste Rechte verläuft selten ‚revolutionär’, sondern in vielen kleinen, technokratisch detaillierten Schritten”, erklärt Marcel Lewandowsky. „Das gehört zur Strategie dazu, macht Mobilisierung für die verbliebenen demokratischen Akteure jedoch auch schwerer.”
👉 Das Narrativ verdeckt diese konkreten Schritte des Systemumbaus. Und es erschwert demokratischen Alarm, denn wer sich gegen das Narrativ ausspricht, muss erstmal erklären, warum er gegen “Demokratie retten” ist.
Was können wir also tun?
Narrative prägen, was wir denken und wem wir Lösungen zutrauen. Am Beispiel “Demokratie in der Krise” sehen wir, wie Autoritäre Erzählungen umdeuten. Die gute Nachricht: Wir können eigene Narrative setzen.
👉 Und zwar so:
1) Hinterfragen, woher ein Narrativ stammt
Bevor wir auf ein Narrativ reagieren, müssen wir verstehen: Wer hat es in die Welt gesetzt? Welchem Zweck dient es? Das Narrativ “Demokratie in der Krise” stammt zum Beispiel von denen, die die Krise erst herbeireden - um sich dann als Retter zu inszenieren.
👉 Das nenne ich den Narrativ-Shift: Wir wechseln aus der unreflektierten Übernahme zur kritischen Analyse.
👉 Ich empfehle dazu dieses Video über die ICE-Gestapo-Erzählung - als Beispiel, dass man immer hinterfragen sollte, woher ein Narrativ stammt, aus welcher Perspektive heraus es entsteht und warum es überhaupt verwendet wird.
Die Historikerin und Videocreatorin Ashley B bringt die Frage auf, wieso der nationalsozialistische Vergleich herangezogen wird anstatt US-historischer Beispiele:
”People reach for the Gestapo comparison because it sounds extreme and foreign. It lets white Americans pretend this kind of policing came from somewhere else. But ICE looks closer to slave patrols because that’s our history. Local enforcement. Racialized suspicion. Vague authority. Taking people first, justifying it later. Gestapo is a warning. Slave patrols are a mirror.”
2) Schluss mit der reinen Anti-AfD-Konter-Strategie
Denn: Wer nur auf die Erzählung “der Anderen” antwortet, bleibt in deren Framing.
CDU-Chef Merz sagte 2025 im Kontext der Anti-AfD-Strategie seiner Partei: Man müsse zeigen, was dem Land drohe, wenn die AfD stärker werde.
Ich verstehe den Impetus. Aber: Weder die AfD noch deren Wähler*innen lassen sich dadurch beeindrucken, dass wir ständig die AfD als Problem bezeichnen.
Natürlich ist es relevant, weiter aufzudecken, wie die Partei vorhat (siehe diesen Newsletter;)), wie Autoritäre mit Spaltungserzählungen vorangehen, was hinter politischen Absichten steckt.
Dennoch: Wir müssen aufhören, nur GEGEN die AfD zu argumentieren, ohne eigene Erzählungen und Narrative anzubieten. Stattdessen müssen wir FÜR unsere eigenen Themen, Werte und Lösungen eintreten. Zum Beispiel:
👉 Als Kirche/:
Statt “Die AfD ist gegen christliche Werte”
Besser: „Glaube bedeutet für mich nicht, sich abzugrenzen, sondern Verantwortung füreinander zu übernehmen. Das ist der Kern meiner demokratischen Haltung.”
👉 Als Gewerkschaft:
Statt “Die AfD kümmert sich nicht um Arbeiter*innen”
Besser: „Wir kämpfen für bessere Löhne und sichere Arbeitsplätze – das ist echte Fürsorge für arbeitende Menschen.”
👉 Als NGO/Verband:
Statt “Die AfD spaltet die Gesellschaft”
Besser: „Wir bauen Brücken zwischen Menschen, weil echte Stärke im Zusammenhalt liegt, nicht in der Ausgrenzung.”
Seht ihr den Unterschied? Das erste ist Reaktion auf deren Framing. Das zweite setzt eine eigene Erzählung mit Lösung und Vision. Wer FÜR die eigenen Werte eintritt, setzt einen neuen Frame.
3) Raus aus deren Framings!
Was bedeutet das genau? Framing beschreibt, wie bestimmte Begriffe und Metaphern einen Deutungsrahmen im Gehirn aktivieren.
Wenn beispielsweise die AfD von „Überfremdung” spricht und andere Parteien diesen Begriff übernehmen, aktivieren sie denselben “Frame” und stärken ihn weiter - auch wenn sie ihn ablehnen.
Konkret bedeutet das: Wer Aussagen der AfD wiederholt, um sie zu verneinen („Die AfD kümmert sich nicht um unsere Schulen”) stärkt unbewusst deren Framing. Das Gehirn speichert auch „AfD” und „kümmert”.
👉 Die Narrativ-Falle:
Jedes Mal, wenn wir “Die AfD ist gegen X” sagen, aktivieren wir im Gehirn auch: “AfD und X”.
Besser: “Wir sind für Y”, so aktivieren wir: “Wir und Y”.
Ganz konkret:
Statt: „Die AfD will die Demokratie zerstören!”
Besser: „Demokratie heißt: Wir streiten fair, schützen Minderheiten, halten uns an Regeln.” -> Aktiviert: Demokratie plus fair plus Schutz plus wir
4) Wir warnen, wir mahnen. Aber wann sagen wir, was wir tatsächlich tun?
Die AfD, Autoritäre, Rechtsextreme arbeiten mit einfachen Geschichten, die ein vollständiges Narrativ bilden:
Problem: „Die da oben kümmern sich nicht”
Lösung: „Nur wir kennen die wahren Arbeiter”
Vision: „Was die da oben machen ist ein Schlag ins Gesicht – wir geben euch die Würde zurück”
Das wirkt, weil es Gefühle anspricht: nicht nur negative, wie Angst, sondern auch Stolz, Zugehörigkeit, Gemeinschaft.
Unsere demokratische Antwort darf nicht nur warnen (”Die sind gefährlich!”) - sie muss ein Gegen-Narrativ bieten: Vertrauen statt Angst, Sicherheit statt Chaos, Zukunftszuversicht statt Untergangsrhetorik.
Konkret: Wir brauchen nicht nur Faktenchecks. Wir brauchen Geschichten, die zeigen: Demokratie funktioniert, unser Engagement wirkt, wir haben eine Idee für die Zukunft.
👉 Und für alle die sich jetzt fragen: Wie mache ich das?
5) Denkt Emotionen mit!
Wir müssen lernen, Inhalte emotional aufzuladen, ohne manipulativ zu werden. (Positive) Emotionen wie Hoffnung, Stolz, Solidarität sind unsere Werkzeuge.
Beispiel: Als die Kinderarztpraxis schließen sollte, haben 3.000 Menschen in zwei Wochen eine Petition unterschrieben. Die Stadt hat reagiert, eine Lösung gefunden - und jetzt haben unsere Kinder wieder eine Praxis im Ort. Das zeigt: Wenn wir uns einmischen, können wir etwas bewegen.
Seht ihr, was hier passiert?
Problem (Praxis soll schließen) weckt Angst.
Lösung (gemeinsame Petition) gibt Selbstwirksamkeit.
Vision (funktionierende Demokratie) weckt Hoffnung und Stolz. Das bleibt im Kopf – weil es berührt.
👉 Ultimativer Tipp für alle Wahlkämpfer_innen in 2026: Die Wahlkreisformel von Kommunikationsexpertin Carline Mohr, die ich in diesem Landtagswahlenjahr wirklich allen politisch Aktiven empfehlen möchte.
6) Macht es nicht so kompliziert!
Narrative brauchen Alltagssprache: Abstrakte Begriffe wie „Demokratie” oder auch “Solidarität” erreichen viele Menschen nicht mehr emotional. Und - siehe oben - leider sind viele dieser Begriffe durch die AfD (und überhaupt autoritäre Kräfte) anders “aufgeladen”.
Das bedeutet NICHT, dass wir sie aufgeben. Aber: Wir müssen sie auch übersetzen - in Geschichten, in Alltagserfahrungen, in konkrete Situationen.
Statt “Wir brauchen mehr Partizipation”
Besser: “Dieses Jahr haben wir gemeinsam abgestimmt, dass die Weihnachtsfeier tagsüber und unter der Woche stattfindet, damit auch Teilzeitkräfte teilnehmen können. Das ist Demokratie im Alltag.”
Warum funktioniert das anders?
Konkretes Beispiel statt abstrakter Begriff
Emotionale Nähe (“unsere Weihnachtsfeier”).
Vollständiges Mini-Narrativ (Problem: Teilzeitkräfte ausgeschlossen, Lösung: gemeinsam abstimmen, Vision: alle gehören dazu).
Der Narrativ-Werkzeugkasten für Demokrat_innen
📌 Das ist wichtig:
Von der Reaktion in die Aktion: Das reine Anti-AfD-Kontern bringt uns nicht weiter
Framing durchbrechen: Rechte Narrative analysieren, aber nicht wiederholen
Die emotionale Ebene verstehen und nutzen: Welches Bedürfnis sprechen sie an?
Konkrete Beispiele statt Abstraktion: Abstrakte Themen wie Demokratie erlebbar machen
📌 So bauen wir eigene Erzählungen
🦶Schritt 1: Wir machen uns klar, was ein Narrativ ist
Eine überzeugende Geschichte in drei Teilen:
Problem (Löhne reichen nicht)
Lösung (Tarifverträge erkämpfen)
Vision (gerechte Arbeitswelt, in der alle gut leben können)
🦶Schritt 2: Wir schauen uns die Struktur autoritärer Narrative an
Sie nutzen einfache Konfliktlinien (”die da oben vs. wir”), starke Emotionen (Kränkung, Ohnmacht, Stolz), identitätsstiftende Geschichten (”wir Arbeiterinnen”).
Diese Elemente sind per se nicht schlecht, sondern Werkzeuge. Die Frage ist: Nutzen wir sie für Spaltung oder für Zusammenhalt?
🦶Schritt 3: Wir fragen uns, welches Bedürfnis sprechen sie an?
Oft sind es legitime Bedürfnisse: gesehen werden, Sicherheit, Anerkennung, Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit.
Die Idee: Nicht das Bedürfnis ablehnen, sondern anders beantworten.
🦶Schritt 4: wie beantworten das Bedürfnis mit eigenen Geschichten
AfD-Narrativ: “Die da oben ignorieren uns” (Bedürfnis: gesehen werden)
Beispiel: “In unserer Gewerkschaft hat jede Stimme Gewicht – zusammen setzen wir durch, was einer alleine nie schaffen würde” (Bedürfnisse: gesehen werden und Selbstwirksamkeit)
Wer sich jetzt fragt: Funktioniert das?
Der sollte sich die Kommunalwahlen 2025 anschauen. Ja, die AfD hatte in den Kommunalwahlen 2025 Erfolge. Ja, Kommunalwähler_innen wählen mit anderem Fokus als bei Landtagswahlen oder Bundestagswahlen.
Aber wie Christian Bangel in diesem Kommentar von 2025 schreibt: „Man muss nicht die Themen der AfD kopieren, um sie zu schlagen. In Frankfurt (Oder) etwa, immerhin Grenzstadt mit einer hohen Zahl dort lebender Geflüchteter, nahmen weder der siegreiche Strasser noch die CDU- oder die SPD-Kandidatin im Wahlkampf die Themen Asyl und Migration auf. Mit Erfolg: Das wichtigste Thema des Wahlkampfs war Wirtschaft. Nur wenige Stimmen, und der AfD-Kandidat wäre nicht mal in der Stichwahl gelandet.”
👉 Wer sein eigenes Narrativ stark macht (”Wirtschaft, Arbeitsplätze, Zukunft”), lässt sich nicht in das Framing der AfD zwingen. Wer dagegen nur auf ihre Themen antwortet, bleibt in ihrem Narrativ gefangen.
👉 Das ist die Macht von Narrativen: Sie geben uns einen Handlungsrahmen. Sie zeigen, wo wir ansetzen können. Und sie machen uns handlungsfähig, weil wir nicht mehr nur reagieren, sondern selbst gestalten. Demokratie braucht starke Erzählungen – nicht nur Abwehr, sondern eigene Visionen davon, wie wir zusammenleben wollen.
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Die Wahlkreisformel von @carlinemohr ist wirklich großartig! Danke für den Hinweis und diese vielen Tipps. Alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann. Hier machst Du konkret, warum und wie es anders geht. Vielen Dank!!
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